So prüfst Du unter Linux, ob eine Website vertrauenswürdig ist

So prüfst Du unter Linux, ob eine Website vertrauenswürdig ist
Security

Das Schloss neben der Adresse sagt weniger aus, als viele denken. Es zeigt nur, dass die Verbindung verschlüsselt ist. Wer hinter der Seite sitzt, verrät es nicht. Auch Betrugsseiten laufen heute mit gültigem Zertifikat.

Unter Linux brauchst Du für eine saubere Prüfung kaum Zusatzsoftware. Ein Terminal, ein Browser und etwa fünf Minuten reichen. Besonders lohnt sich das bei Angeboten rund ums Glücksspiel, denn dort gibt es mit der Whitelist der Glücksspielbehörde eine amtliche Gegenprobe. Wer vorab einen Online Casinos Test liest, bekommt eine erste Orientierung. Die Angaben solltest Du trotzdem selbst gegenprüfen, und genau dafür sind die folgenden Schritte gedacht.

Auf Debian und Ubuntu installierst Du die nötigen Werkzeuge mit einem Befehl:

sudo apt install whois bind9-dnsutils openssl curl

Schritt 1: Die Domain genau ansehen

Lies die Adresse Buchstabe für Buchstabe. Typische Tricks sind vertauschte Zeichen, ein zusätzlicher Bindestrich oder eine exotische Endung statt .de oder .com. Steht am Anfang der Adresse ein xn--, steckt dahinter ein Sonderzeichen, das einem normalen Buchstaben zum Verwechseln ähnlich sieht.

Get WHOIS data of a Domain via Command Line in Linux Mint / Ubuntu · LinuxMindBeim Abspielen wird das Video von YouTube (Google) geladen. Mit dem Klick stimmst du der Nutzung von YouTube zu. Datenschutz · Auf YouTube ansehen

Danach holst Du die Basisdaten:

whois beispiel.com

dig +short beispiel.com

Bei .com und vielen anderen Endungen steht im whois-Ergebnis das Registrierungsdatum. Eine Domain, die vor ein paar Wochen angelegt wurde und sich als etablierter Anbieter ausgibt, passt nicht zusammen. Bei .de zeigt die Abfrage deutlich weniger. Geschwärzte Inhaberdaten sind übrigens normal und kein Warnzeichen.

Schritt 2: Das Zertifikat auslesen

Der Browser zeigt nur das Schloss. Im Terminal siehst Du mehr:

echo | openssl s_client -connect beispiel.com:443 -servername beispiel.com 2>/dev/null | openssl x509 -noout -subject -issuer -dates

Die Ausgabe nennt die Domain, für die das Zertifikat gilt, den Aussteller und den Gültigkeitszeitraum. Passt der Name nicht zur Adresse, bist Du an der falschen Stelle. Ein Zertifikat von Let’s Encrypt ist dabei kein schlechtes Zeichen, viele seriöse Seiten nutzen es. Es belegt nur, dass jemand die Domain kontrolliert. Über den Betreiber sagt es nichts. Misstrauisch machst Dich erst die Kombination: neue Domain, neues Zertifikat, große Versprechen.

Schritt 3: Betreiber und Impressum prüfen

Schritt 3: Betreiber und Impressum prüfen

Angebote aus Deutschland brauchen ein Impressum (§ 5 DDG). Achte auf den vollständigen Firmennamen mit Rechtsform, eine Anschrift, einen Kontakt und bei Firmen auf die Handelsregisternummer. Kopiere den Firmennamen und such ihn getrennt von der Seite, zum Beispiel im Handelsregister. Taucht die Firma nur auf genau dieser einen Website auf, ist Vorsicht angesagt. Wirf zusätzlich einen Blick in die Datenschutzerklärung. Dort sollte derselbe Verantwortliche stehen wie im Impressum.

Schritt 4: Amtliche Register nutzen

Je nach Branche gibt es offizielle Listen. Bei Online-Glücksspiel ist das die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Wer in Deutschland Online-Glücksspiel anbieten will, braucht eine Erlaubnis der GGL. Die Behörde sagt selbst, dass Angebote ohne Eintrag auf der Liste illegal sind. Zwei Punkte werden oft übersehen:

  • Gesucht wird nach dem Namen der Firma. Die Liste führt Erlaubnisinhaber als juristische Personen, Markennamen findest Du dort nicht.
  • Eine Lizenz aus Malta, Zypern oder einem anderen EU-Land gilt in Deutschland nicht, wie das Europäische Verbraucherzentrum betont.

Bei Finanzdiensten übernimmt dieselbe Aufgabe die Unternehmensdatenbank der BaFin. Das Prinzip bleibt gleich: erst die Firma aus dem Impressum notieren, dann im amtlichen Register nachschlagen.

Schritt 5: Weiterleitungen sichtbar machen

Manche Seiten schicken Besucher über mehrere Stationen auf die eigentliche Zielseite. Mit curl siehst Du die ganze Kette:

curl -sIL https://beispiel.com | grep -iE '^(HTTP|location)'

Landest Du nach drei oder vier Sprüngen auf einer völlig anderen Domain, stimmt etwas nicht.

Warnzeichen im Alltag

Warnzeichen im Alltag

Nicht alles lässt sich im Terminal messen. Diese Punkte fallen beim normalen Surfen auf:

  • Ein Countdown oder „nur noch heute“, der bei jedem Besuch wieder bei null anfängt
  • Zahlung nur per Gutschein, Krypto oder Überweisung an eine Privatperson
  • Impressum als Bild statt als Text, oder gar kein Link dazu im Seitenfuß
  • Dieselben Texte und Bilder auf mehreren Domains mit unterschiedlichen Firmennamen
  • Bewertungen, die fast alle am selben Tag und im gleichen Wortlaut erschienen sind

Wer die Befehle öfter braucht, packt sie in ein kleines Shell-Skript, das die Domain als Parameter nimmt. Dann dauert der ganze Check nur noch Sekunden.

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