München: Aus für den Pinguin und die LiMux

München: Aus für den Pinguin und die LiMux
Vermischtes

Debatten gab es bei der Einführung und es gab jetzt auch Debatten beim Wechsel zurück. Für über zehn Jahre wurde Linux auf den offiziellen Computern der Stadt München verwendet. Damit hat die bayerische Landeshauptstadt durchaus eine Vorreiterrolle eingenommen. Jetzt wurde allerdings beschlossen, dass München wieder zurück auf Windows wechseln wird.

Beschlossen wurde das im Stadtrat mit den Stimmen der SPD und der CSU. Als Hauptgrund wurden Kompatibilitätsprobleme genannt, die immer wieder dafür gesorgt haben, dass manche Verwaltungsprogramme nicht liefen oder eben doch parallel Windows-Rechner genutzt werden mussten. Dieser Doppelbetrieb kostet am Ende Zeit und Geld. Kritik gab es von der Opposition, die diesen Rückwärtsschritt als unnötig ansieht. Mehr zum Linux-Aus in München gibt es in diesem Artikel zu erfahren.

München wechselt zurück auf Windows

Die Umstellung auf das Linux-System LiMux (Wortspiel aus Linux und München) erfolgte in den Jahren von 2003 bis 2006. Damit war die Stadt Vorreiterin, denn bis heute werden in der öffentlichen Verwaltung hauptsächlich Windows-Rechner verwendet. In Zukunft dürfte das auch in München wieder der Fall sein. Damals wurden ungefähr 15.000 bis 20.000 Rechner auf Linux umgestellt. Die Gründe lagen auf der Hand: Man wollte sich herstellerunabhängig machen und dadurch auch Lizenzkosten sparen. Doch Politiker der CSU und der SPD sehen dieses Experiment als gescheitert an, da es immer wieder zu Problemen kommt, die bis heute nicht behoben werden konnten.

Eine Beratungsfirma, die allerdings auch Partner von Microsoft ist, hat der Stadt Mängel in der IT-Organisation bescheinigt. Die Opposition aus Grünen, FDP, ÖDP und Die Linke sieht diese Sichtweise als übertrieben an und hält den Rollback für unnötig. Immerhin geht dieser auch mit Kosten einher, die aktuell auf bis zu über 100 Millionen Euro geschätzt werden. Geplant ist der Aufbau einer einheitlichen IT-Arbeitsplatz-Architektur, die auf Basis von Windows 10 laufen soll. Das betrifft aktuell rund 29.000 städtische Arbeitsplätze. Außerdem soll ein zentrales IT-Referat gegründet werden. Die Umsetzung soll in den nächsten drei Jahren geschehen.

Die Gründe für den Ausstieg

SPD, CSU und Oberbürgermeister Reiter sehen die Notwendigkeit für den Umstieg zurück auf Windows, da es über Jahre immer wieder Kompatibilitätsprobleme gegeben hat. Besonders spezielle Fachsoftware und Schnittstellen laufen auf Windows reibungsloser. Somit konnte bis heute kein reines Linux-System umgesetzt werden. Der Parallelbetrieb sorgte für einen immensen Verwaltungs- und Wartungsaufwand, der letztendlich Zeit und Geld verschlungen hat. Um zukünftig auch digitale Bürgerservices und mobile Endgeräte einbinden zu können, braucht es also ein marktübliches Standard-System, das einwandfrei läuft und entsprechend in der gesamten IT genutzt werden kann. Die Stimmen der CSU und SPD haben ausgereicht, um mit diesen Argumenten für den Rollback zu stimmen.

Kritik der Opposition

Interessanterweise gab es schon bei der Einführung von Linux vor über zehn Jahren lebhafte Diskussionen. Auch jetzt wieder, denn Politiker der Oppositionsparteien sehen keinen Grund, um wieder zurück auf Windows zu wechseln. Zum einen werden die hohen Kosten angeführt, die jetzt für neue Lizenzen, Schulungen und die Umstellung tausender Formulare und Makros anfallen. Und diese Kosten werden immerhin von Steuergeldern bezahlt. Abgesehen davon begibt man sich damit wieder in die Abhängigkeit von Windows.

Kritik der Opposition

Die Herstellerunabhängigkeit war damals eines der wichtigsten Argumente. Besonders wichtig jedoch: Die Verfechter von Open Source argumentieren, dass nicht Linux das Problem gewesen sei, sondern die komplizierte Organisationsstruktur der Münchener IT-Ämter. Letztendlich ist auch das Gutachten der Firma fraglich, die Partner von Microsoft ist.

Die IT-Zukunft von München

Die Entscheidung ist bereits gefallen, sodass das Ende von LiMux beschlossen ist. In den nächsten Jahren sollen die Systeme nach und nach umgestellt werden, bis man wieder vollständig bei Windows und Microsoft Office landet. Die Frage bleibt damit aber bestehen, ob Linux damit als gescheitert angesehen werden kann. Sicherlich werden auch andere Städte ganz genau nach München schauen und was hier derzeit passiert. Linux die Schuld für das Scheitern zu geben, wäre aber verkürzt, denn tatsächlich kann die Umstellung auf ein ganzes System auch an einer fehlenden Struktur und entsprechenden Schulungen scheitern.

Daher ist für die Zukunft auch denkbar, dass es hybride Strategien geben wird, bei denen eben auch zwei Systeme nebeneinander laufen können. Grundsätzlich ist der Trend in den letzten Jahren aber auch, dass Open Source in vielerlei Hinsicht seine Vorteile hat. Nicht zuletzt aufgrund der Kosten, aber auch der Sicherheit. Klar ist, dass eine vollständige IT-Umstellung in einer Großverwaltung wie München keine einfache Sache ist und dass so ein Vorhaben an vielen Stellen scheitern kann. Open Source bedeutet eben auch, dass IT anders gedacht werden muss.

Fazit zu Windows, LiMux und München

Fazit zu Windows, LiMux und München Es war ein ehrgeiziges Projekt, das die Stadt München vor über zehn Jahren angegangen ist. Und jetzt kann es als gescheitert angesehen werden. Rund 29.000 Münchner Arbeitsplätze werden von Linux auf Windows 10 umgestellt, was mehr als 100 Millionen Euro kosten kann. Das Scheitern dieser Alternative ist offensichtlich, allerdings sind die Gründe keinesfalls klar. SPD und CSU sprechen von einer Notwendigkeit aufgrund von Kompatibilitätsproblemen und dem Parallelbetrieb zweier Systeme, die Opposition verweist auf eine mangelhafte IT-Struktur, die letztendlich zum Scheitern führte. Jetzt wird es also wieder zurück zu Windows gehen und damit zu einer Konzernabhängigkeit, die man ursprünglich eigentlich nicht mehr haben wollte.